Orang-Utans: Der Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus)

Wilder Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus) mit Baby in einem Feigenbaum am Kinanbatangan River, Borneo, Malaysia

 

Zwei getrennte Arten: Borneo-Orang-Utans (Pongo pygmaeus) und Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii)
Orang-Utans sind sehr intelligent und verstehen sich gut darauf, das zu verstecken.
Die Einheimischen auf Borneo sagen, dass der Orang-Utan, der „Waldmensch“, nur nicht spricht, weil er sonst arbeiten müsste.

 

Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus)

Wilde Orang-Utans – gesehen am Kinabatangan


Bei den täglichen Beobachtungs-Bootsfahrten im Rahmen des Volunteer-Programms von Ape Malaysia hatte ich wenige Male die Chance, die Tiere in Freiheit zu sehen. Eine Orang-Utan-Mutter mit Baby beim Feigen essen und ein weiteres Tier sogar beim Nestbau.
Derzeit wird am Kinabatangan eine Schutzzone errichtet – den sogenannte „Corridor of Life“. Diese Schutzzone wird dringend benötigt, damit die großen Tiere zwischen dem Mangrovenwald und dem Primärdschungel wandern können, ansonsten drohen in den nächsten Jahren eine zu große Elefantenpopulation und Inzuchtprobleme bei den Orang-Utans. 53 % Urwald ist in Sabah noch vorhanden und weitestgehend geschützt, der Rest vor allem Ölpalmplantagen. Viele der Flächen wurden bereits zu Zeiten der englischen Kolonialherren abgeholzt und waren vorher Kokosnuss- oder Kautschukplantagen. Als im 2. Weltkrieg auf Borneo viele Städte komplett zerstört wurden, kam das nötige Geld zum Wiederaufbau u.a. von den Plantagen und Ölfirmen. Heute ist Malaysia im Gegensatz zu Indonesien ein wirtschaftlich erfolgreiches Schwellenland.
Laut der Leute von Ape Malaysia kommen in Sabah keine neuen Flächen mehr hinzu. Bleibt zu hoffen, dass das stimmt. In Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos, soll dagegen die Zerstörung rapide voranschreiten. Dort ist derzeit die Orang-Utan Population noch am höchsten. Aber der Lebensraum wird immer kleiner.

Semenggoh Orang Utan Rehabilitation Centre

Bei der Borneo-Rundrreise mit Djoser besuchten wir auch Semenggoh, einem Orang-Utan-Rehabilitationszentrum in Sarawak. Hier und auch in Sepilok werden gefangene Tiere wieder ausgewildert. Es ist eine schwierige und langwierige Arbeit. Die kleinen Affen stammen vielfach aus Käfighaltung oder Ihre Mutter wurde auf Plantagen getötet. Die Pfleger müssen Ihnen sogar das Klettern beibringen. Ein Orang-Utan schwingt sich nicht wie ein Gibbon von Ast zu Ast sondern bringt den Ast zum Schaukeln bis er auf diese Art den nächsten erreicht. Ein Wunder, dass die Äste das aushalten vor allem bei den gewichtigen riesigen Männchen. Wobei sich diese ab einem gewissen Alter häufiger am Boden aufhalten sollen.
Zur Warnung für Touris wurden Fotos mit Bisswunden ausgehängt. Viele der Besucher vergessen gerne, dass sie nicht im Streichelzoo sind. Auch im Zoo Negara beobachtete ich ständig unser Bedürfnis die Tiere zu vermenschlichen, sie anzufassen und zu streicheln. Das führte bereits zu Unfällen und hat laut Erzählung unserer Betreuer einem Volunteer wohl den Finger gekostet. Die Affen legten auf diese Streicheleinheiten keinen Wert und berührten sich auch untereinander kaum.

Sepilok Orang Utan Rehabilitation Centre)


Das zweite Aufzuchts- und Auswilderungszentrum in Malaysia in der Nähe von Sandakan, Sabah. Hier war ich während meiner zwei Monate auf Borneo gleich zweimal und konnte die Affen bei den Fütterungen beobachten.

Ape Malaysia Projekt – als Volunteer im Zoo Negara

Während meines Sabbaticals 2012 wollte ich statt nur auf Borneo zu reisen mehr über Orang-Utans erfahren und buchte über Real Gap das Package „Malaysia Orang Utan Experience“. Eine Art 4 wöchiges Volunteer Proramm von Ape Malaysia.
In unserer Gruppe war ich der Oldie, aber zuletzt hatte wohl sogar eine 66-jährige Amerikanerin teilgenommen. Respekt – Käfige reinigen, Projekte in Schulen, später auf Borneo Bäume im Urwald pflanzen, … ist vor allem bei der Hitze ziemlich anstrengend. Die Zooarbeit in Kuala Lumpur wurde schnell zur Routine und 2 Wochen waren ausreichend.
Der Blick hinter die Kulissen war für mich sehr deprimierend. Vor allem da ich zuvor die Tiere auf Borneo in freier Natur erlebt hatte. Seither bin ich für „Grundrechte für Menschenaffen“ und gegen die Haltung von Menschenaffen in Zoos.

 

Orang-Utan KnowHow:

    • Orang-Utans sind Menschenaffen. Sie haben zu 96,4% die gleichen Gene wie wir. Sie haben einen Sinn für Ästhetik, Humor und können sich Gesichter gut merken.
    • Die Babies werden 6 Monate gesäugt und bleiben 6 Jahre in der Nähe der Mutter. Sie müssen alles von ihr lernen.
    • Der tägliche Energieverbrauch der Primaten liegt im Durchschnitt bei 1200 bis 2000 Kilokalorien. Noch weniger verbrauchen nur Faultiere. Damit kommen sie mit wenig Nahrung aus.
    • Arme fast doppelt so lang wie ihre Beine
    • Sie sind die größten Frucht-essenden Tiere auf der Welt. Und konsumieren mehr als 300 verschiedene Früchte, Pflanzen und Honig.
    • Sie leben als Einzelgänger im Dschungel und kommen nur zur Paarung zusammen. In dieser Zeit bleiben sie bis zu einer Woche beeinander.
    • Wegen ihrer Größe birgt das Übernachten in den Bäumen eine gewisse Gefahr, daher bauen sie jeden Abend ein Nest oder eine Plattform aus Blättern – gelegentlich auch während des Tages.
    • Orang-Utans können Magnetfelder „sehen“. Ähnlich wie bei Zugvögeln haben Sie ein Sensormolekül im Auge, das es wohl ermöglicht, die Neigung der Magnetfeldlinien zu sehen. Das lichtempfindliche Cryptochrom 1a befindet sich in der Netzhaut.

 

Infos / Links zu Orang-Utans:

Sehr lesenswert: „Die Denker des Dschungels“ von Gerd Schuster – stern.de
„Orang-Utans sind Meister des Bettenbaus“ – stern.de
Infos zu Orang Utans auf Wikipedia
„Mensch und Affe. Sind sie denn nicht wie wir?“ – faz.net
„What is Kinabatangan – Corridor of Life?“ – wwf.org
Warum Du kein Palmöl kaufen solltest – veganblatt.com

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